Eberhard David Hauber 1695-1765

Eberhard David Hauber, Quelle: Bobé

Als zehntes Kind einer schwäbischen Pfarrersfamilie, aus Hohenhaslach/Württemberg hatte Eberhard David Hauber in Tübingen studiert und war 1727 Dr. theol. geworden. Am 28. Januar 1746 wurde Hauber von dem sehr frommen König Christian VI als Prediger an Sankt Petri nach Kopenhagen berufen. Dabei hatte es in seinen jüngeren Jahren eher nach einer Karriere als Professor für Mathematik am Stuttgarter Gymnasium ausgesehen. Aber die Entscheidung, sich der Theologie zu widmen, führte zu der Stellung als Superintendent des Herzogtums Schaumburg-Lippe, wo er durch seinen vermittelnden Einfluss eine Verständigung zwischen den Reformierten und den Lutheranern erwirkt hatte, die sich bisher schroff gegenüber gestanden hatten.

Nach Kopenhagen begleitete ihn seine Gattin, Maria Katharina Sigel (1697–1759), eine Apothekertochter aus Vaihingen. Bis zu seinem Tode hatte Hauber das Amt als Pastor in Sankt Petri 20 Jahre lang inne.

Weitere historische Einzelheiten

Grabstätte Haubers im Kräutergarten. SES hat eine Renovierung zugesagt.

Es war nicht ganz leicht für den schon 50zigjährigen Hauber, eine selbständige Stellung in der kleinen Grafschaft gegen eine keineswegs unabhängige Position in der Residenzstadt des damaligen großen dänischen Reiches einzutauschen. Sankt Petri galt in jener Zeit als die vornehmste unter den damaligen drei deutschen Kirchgemeinden und als ein geistiges Zentrum der Stadt.
Hauber waltete seines Amtes mit großem Pflichtgefühl und hielt neben den Gottesdiensten Erbauungsstunden für seine Pfarrkinder, die er auch fleißig besuchte. Überhaupt legte er  großen Wert auf das erbauliche Gespräch in kleinem Kreis. Darüber hinaus unterrichtete er in seiner Pfarrwohnung unentgeltlich junge Studenten in orientalischen Sprachen, in Mathematik und Geografie.
Seit seiner frühen Jugend hegte Hauber starkes Interesse für Mathematik und Naturwissenschaften, insbesondere Geografie und Kartografie. Ursprünglich galten seine Neigungen weltlichen Wissensgebieten, und Forschung und Lehre schienen anfänglich das Wirkungsfeld von Hauber zu werden eher? als ein geistliches Amt. Für einen Theologen in jener Zeit war die Verquickung von Theologie und Naturwissenschaft (Physikotheologie) gar nicht so abwegig, und sein Leben lang bewahrte sich Hauber einen unersättlichen Wissensdrang in seiner Doppeltätigkeit als Geistlicher und Gelehrter, indem er pietistische und aufklärerische Gedanken verknüpfte.
In Kopenhagen wandte sich Hauber wieder etwas stärker der Naturkunde zu. Haubers Leistungen fanden öffentliche Anerkennung. Er wurde zum Mitglied der preußischen und dänischen Wissenschaftlichen Gesellschaft ernannt, und 1758 erhielt er den Titel Konsistorialrat. Seine Bibliothek umfasste 16.000 – 17.000 Bände, darunter eine bedeutende Sammlung von Bibeln in allen Sprachen.
Er verfasste mehrere Schriften sowohl naturwissenschaftlichen als auch theologischen Inhalts, z. B. „Geistliche Harmonie der Evangelisten“, und in seinen Unterlagen fanden sich Arbeiten zu einer geplanten Geschichte des deutschen Kirchenliedes, Materialien über deutsche Klöster, handschriftliche Ausarbeitungen über die Geschichte der nordischen Völker und eine nach seinem Tode editierte Abhandlung über samaritanische Münzen.
Von zwei seiner vier Kinder ist bekannt, dass sie sich intellektuell betätigten. Die gelehrte Tochter Johanne war mit den klassischen Sprachen und Literaturen vertraut, während Sohn Ernst Christian eine sehr beliebte für Fremde vorgesehene? deutsche Beschreibung von Kopenhagen verfasste.
Hauber betreute eine anspruchsvolle Gemeinde, deren Mitglieder u.a. zum Hofe und weiteren tonangebenden Kreisen gehörten. Stellvertretend für die, die in diesen Jahren in Sankt Petri verkehrten, seien erwähnt: Louise von Plessen, Hofdame der Königin Sophie Magdalene und später Hofmeisterin der jungen Königin Caroline Mathilde, Graf C.G. Stolberg, Graf J.H.E. Bernstorff, C.A. von Plessen, der königliche Leibarzt J.J. Berger und der Prokanzler der Universität, Erich Pontoppidan.
Der deutsche Dichter Klopstock und dessen Frau Meta standen Hauber besonders nahe, und der Dichter benutzte Haubers umfangreiche Bibliothek bei der Arbeit an seinem Epos „Messias“
Darüber hinaus umfasste die Gemeinde die ganze Skala der sozialen Schichten einer Landeshauptstadt und Welthafenstadt. Es gelang Hauber aber, sowohl die schlichten Leute als auch die gebildeten und vornehmen zu gewinnen, da er Frömmigkeit mit weltmännischem Benehmen und wissenschaftlichem Sinn zu vereinigen wusste. Haubers schwäbischer Dialekt wurde im Laufe der Jahre immer abgeschwächter, an seiner Freundlichkeit soll sich jedoch nichts geändert haben.

Hauber wurde am 22. Februar 1765, wenige Monate vor seinem 70zigsten Geburtstag, im Kräutergarten zur letzten Ruhe gebettet. Sein Marmordenkmal von dem berühmten dänischen Bildhauer Johannes Wiedewelt ist mit einer Weltkugel verziert – als Symbol für sein umfassendes Wissen und seine weitherzige Liebe. Hier ruht auch seine Ehefrau.

„Mitten unter Vielen, die vom Ihm zur Gerechtigkeit gewiesen wurden, Ruhet hier EBERHARD DAVID HAUBER…. „ so beginnt die Inschrift auf dem Denkmal Haubers.
SES die dänische Schloss- und Liegenschaftsverwaltung plant eine Restaurierung der Grabstätte.

Erik Thorud/Claudia Hoffmann Dose