Eine Stiftsdame

Kitty Rohde 1905 – 1994

Fräulein Rohde im Schulhof Anfang der 1980er Jahre.

Unter den Stiftsdamen spielt Fräulein Rohde eine ganz besondere Rolle: während die Stiftswohnungen um sie herum zum allergrößten Teil schon längst von fröhlich lebhaften Kindern als Klassenzimmer genutzt wurden, war sie die letzte echte Stiftsdame in einem Gebäude, das viele Frauenschicksale wie das ihre beherbergt hatte.

Keiner konnte wie Fräulein Rohde hervorheben, wie wichtig es zu wissen sei, dass in ihrer Geburtsstadt Wien, die Operette geboren sei. In den letzten Jahren äußerte sie wiederholt den Wunsch, nur ein einziges Mal Deutschland wieder zu sehen: Und wenn es nur Puttgarden sei. Dieser Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen.

Mit ihrem Tod ging eine Ära in der Geschichte von Sankt Petri zu Ende.

Weitere Einzelheiten

Ein Gemeindemitglied, Lehrerin an der Sankt Petri Schule, Mechthild Grøngaard, schrieb diesen Nachruf, denn sie hatte Fräulein Rohde über Jahrzehnte gekannt und wie viele andere an ihrem Schicksal teilgenommen.

Im Nachruf in der PetriPost heißt es:

Kitty Rohde 16.12. 1905 – 22.9. 1994
Ein ganz besonderes Sankt Petri Schicksal ist zu Ende gegangen. Fräulein Rohde, die letzte Stiftsdame hat uns verlassen. Ja, uns, denn wir waren ihre nächsten Mitmenschen, ihre „Familie“.
Fräulein Rohde wurde in Wien geboren, als erstes Kind eines dänischen Vaters und einer österreichischen Mutter. Die glücklichsten Jahre ihrer Jugend verbrachte sie aber in Liegnitz (Schlesien) bei ihrer Tante und ihrem Onkel.
In Düsseldorf und Kopenhagen (von etwa 1928 an) arbeitete sie als Korrespondentin. Die letzten 12 Jahre ihres Berufslebens war Fräulein Kitty Rohde im Kirchenkontor unserer Gemeinde tätig. Diese Aufgabe war ihr natürlich besonders ans Herz gewachsen.

Über Fräulein Rohdes Leben könnte man schreiben „ Heimweh, Sehnsucht und Träume“. Ihr Leben war so hart und einsam, dass sie die Flucht in die Romantik ergriff. Wer nicht auf Rosen gebettet ist, muss von ihnen träumen!
Jahrzehntelang saß Fräulein Rohde jeden Sonntag auf „ihrem“ Stuhl im Gottesdienst, kam zum Gemeindeverein, Gesprächskreis und Kirchkaffee. Jetzt steht ihr Platz in der Kirche leer.
Sie – die so spartanisch lebte – hatte bereits 1978 Sankt Petri Kitty Rohdes Kirkelegat gestiftet. Ein Spiegel ihrer Großzügigkeit. (Den Verwendungszweck legte sie auf die Ausschmückung und den Erhalt des Kirchengebäudes fest. Bei der Zusammenlegung von 51 Einzellegaten zum St. Petri kirkes legatfond 1988 wurde Kitty Rohdes Kirkelegat mit einem Kapital von kr. 152.900 aufgeführt. Kitty Rohde hat damit noch Jahrzehnte über ihren Tod hinaus die Arbeit unserer Gemeinde unterstützt – Red.)

Fräulein Rohde hat den Lebenskampf überstanden. Wir gedenken ihrer mit einer Zeile aus ihrem Lieblingslied Stille Nacht: Schlaf in himmlischer Ruh!