Blick auf den Altar

Die Sankt Petri Kirche hat eine doppelte Identität. Als deutsche Auslandsgemeinde sind wir vertraglich verbunden mit der Evangelischen Kirche in Deutschland und wurzeln in der liturgischen, theologischen und kulturellen Tradition des deutschen Luthertums. Gleichzeitig sind wir als deutschsprachige Gemeinde Teil der Dänischen Volkskirche. Wir sind heute eine Gemeinde, die versucht zwei Sprachen zwei Kulturen und zwei Identitäten in einem ökumenisch offenen Kontext miteinander zu verbinden.

Bei der Gründung im Jahre 1575 war unsere Gemeinde zuständig für die deutschsprachigen Untertanen des dänischen Königs in der Hauptstadt Kopenhagen. Auch hier sollten nach der Reformation alle Untertanen in der jeweiligen Muttersprache Gottesdienste feiern können. Mit der Gründung am 20. Februar 1575 sind wir nach Stockholm die zweitälteste deutsche Auslandsgemeinde. Da in dieser Zeit die Elite des Landes am Hof, in der Wirtschaft, im Militär und in der Kultur die deutsche Sprache verwendete, war dies die Grundlage für die besondere Bedeutung der Sankt Petri Kirche.

Viele bedeutende Namen der Geschichte des dänischen Gesamtstaates (der sich de facto bis an die Grenzen des heutigen Hamburg erstreckte) sind mit unserer Gemeinde verbunden; viele der bedeutenden Persönlichkeiten des Reiches im 17. – 19. Jahrhundert sind in den Grabkapellen unserer Kirche bestattet.

Bis heute haben unsere Gemeinde und die Schule eine besondere Beziehung zum dänischen Königshaus, die gegenwärtig durch unseren Königlichen Patron Kjeld Hillingsø gepflegt wird.

Aber unsere Gemeinde lebt nicht nur von ihrer Geschichte und ihren historischen Gebäuden (Sankt Petri ist die älteste erhaltene und das einzige mittelalterliche Kirchengebäude der Stadt), sondern ist ein Ort lebendiger Begegnung.

Im Zentrum des Gemeindelebens steht nach unserem Verständnis der Sonntagsgottesdienst. Anschließend treffen wir uns im neben der Kirche gelegenen Christian-V.-Saal, im Sommer im idyllischen Kräutergarten zum Kirchenkaffee. Dies ist ein idealer Ort, um Kontakte zu knüpfen, die deutsche Sprache zu gebrauchen und erste Fragen im Hinblick auf Taufe, Konfirmation und Trauung zu klären. Einmal im Monat begehen wir einen “Familiensonntag” mit Kinder- oder Familiengottesdienst.

Ein weiteres wichtiges Element des Gemeindelebens ist die musikalische Arbeit. In unserer Kantorei singen zur Zeit etwa 30 Sängerinnen und Sänger unterschiedlicher Nationalität. Der Organist leitet gleichzeitig die inzwischen 4 Schulchöre der Sankt Petri Schule. Und die Musikgottesdienste einmal im Monat stärken die Vernetzung der Musik mit dem Gottesdienst.

Unsere Gemeinde hat heute knapp 1400 Mitglieder, die gleichzeitig der Gemeinde der Dänischen Volkskirche (oder der EKD) an ihrem Wohnort angehören (Stand September 2010: 423 assoziierte und 975 Vollmitglieder). Wir sehen uns nicht zuletzt als Brücke zwischen deutschem und dänischem Kirchen- und Kulturleben. Dafür steht auch das 1998 gegründete Sankt Petri Kulturzentrum. Wir gehören der Arbeitsgemeinschaft der Citykirchen Kopenhagens an.

Eine besondere Rolle spielt für uns die seit den Gründungszeiten bestehende enge Verbindung zur Sankt Petri Schule. Drei Mitglieder unseres Kirchenrates sind Mitglieder der Schulkommission, die Hauptpastorin unterrichtet im Fach Religion und ist auch Seelsorgerin der “Schulgemeinde”. Eine enge Beziehung verbindet uns auch mit der reformierten Gemeinde, mit der wir regelmäßig gemeinsame Gottesdienste feiern, mit der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Malmö sowie mit der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Kopenhagen.